Eintauchen ins Nachtleben

am Beispiel Mödling:

Die drei Lokale in Mödling bieten jugendspezifisch sehr unterschiedliche gastronomische Angebote.

Das Madstage bezeichnet sich selbst als alternatives Punkover/Crossover/Metal Lokal, ist ein Ein Mann Betrieb mit einem engagierten jungen Geschäftsführer, Paul Schnecker, der sein Lokal als Erweiterung des Jugend/kultur/Hauses Red Box sieht. Das Publikum ist wirklich sehr jugendlich, beginnend bei 14 Jahren und Paul Schnecker ist mittlerweile der einzige der drei Lokale, der unter 16 jährige in sein Lokal lässt. Dafür gibt es strenge Ausweiskontrollen bei jeder Getränkebestellung. (konnte von mir bei einem Besuch festgestellt werden, wo jemand in Vertretung hinter der Bar stand)
Es gibt im Lokal regelmäßige AHA Aktionen, wie Luftgitarrencontest (26.4.08) (der Sieger darf mit der Lifeband Alkbottle auftreten)
Eine EURO Intensive Veranstaltung wird es im Juni auch geben.
Ebenfalls ein Angebot, dass in Zusammenhang mit AHA entstand ist das Kombiangebot Bier/Pizza zum Sonderpreis. (Key: guate Unterlag) Laufend finden Darts und Tischfussballturniere statt.
Der Alkoholkonsum im vorderen Barbereich und im Gastraum ist sehr stark Bierfixiert, andere Getränke alkoholischer Natur sieht man kaum. Schischarauchen ist auch seit Ende 2007 angesagt, sieht sehr chillig aus, wenn die Jugendlichen am Schischatisch sitzen und miteinander plaudernd, rauchen.
Die Zusammenarbeit mit Paul Schnecker ist gut, Abmachungen (Text für Zeitungsartikel in Gemeindezeitung….) werden jedoch nur bedingt eingehalten. Kontaktaufnahme geht immer von mir aus und bringt nur persönlich den gewünschten Erfolg.

Das Remedies ist eine typische Jugenddisco mit Schwerpunkt Wochenendbetrieb. Bis 21h ist im Remedies tote Hose, dann strömen die Massen in kurzer Zeit heran und füllen das Lokal. Es gibt Türsteher, die verhindern sollen, das Betrunkene Vorglüher ins Lokal kommen, aufs Alter wird auch geschaut. (wie ich übrigens selbst miterlebt habe, hat die Geschäftsführerin wirklich direkte telefonische Kontakte zu Eltern von Jugendlichen, die anrufen und mit ihr vereinbaren, wie viel Geld die Sprösslinge ausgeben dürfen, bzw. wann sie abgeholt werden..) Im Remedies ist eine ähnliche Jugendklientel wie in der nachtschicht/millenium zu finden. Mit Bräunungssprays abgedunkelte Gesichter, weiße Kleidung überwiegt, testosterongestählte Jungen, verführerische aufgemachte junge Frauen, alles in einem rotblauen halbdunkel mit Nebeleffekten hinterlegt. Überschneidungen zum Madstage sind ausgeschlossen. Die Jungen beschäftigen sich recht eingehend mit dem Maschinenpark, der am Beginn des Lokals vorhanden ist (Flipper, Spielautomaten, ein Boxsack, der die Wucht des Schlages misst ist ununterbrochen in Bearbeitung.)
Die jungen Frauen tanzen derweil im hinteren Bereich mithilfe von Stangen. Dazwischen dicht gedrängte Gruppen, die miteinander kommunizieren, kräftig unterstützt mit den sozialen Schmiermitteln Alkohol und Zigarette.
Die Lautstärke der Musik ist allerdings erträglich, also man muss nicht schreien, um jemand etwas sagen zu können.
Ich schildere die Begleitumstände so genau, weil es das gewünschte und von den Jugendlichen erwartete Setting ist, sie kommen dorthin um genau in diese Halbhöhle abzutauchen, in diese Unschärfe und in diesen Wirbel.
AHA Aktionen wie sie in anderen Lokalen stattfinden können (Styling, Mixer…), müssten jedenfalls in die „tote Zeit“ vorverlegt werden, wo es viel ruhiger ist und solche Angebote möglich sind. Dazu konnte sich die Geschäftsführerin jedoch nicht durchringen, bzw. (auch das Remedies ist eine One Woman Show) hat sie nicht die personellen Ressourcen dazu.
Im Setting gibt es die Möglichkeit, Alkoholfreie Getränke (Himbeergspritzer) den ganzen Abend um 1 € auszuschenken, bzw. bei Großbestellungen von Jugendrunden auch gratis dazu, mit den Keys als Goodie dazu.

Toms Bar, der dritte Kandidat, ist das Lokal, dass am wenigsten dem Profil von AHA entspricht. Eine klassische Kleinbar, die von Menschen jedes Alters aufgesucht wird. Am Abend/nacht überwiegen eher die reiferen Semester. Jugendliche lassen sich dort eher am frühen Abend blicken, bevor sie in Tanzlokale oder anderswohin weiterziehen. Ausnahmen sind Geburtstagsfeiern und Spezialevents. Tom Pachner, der parallel ein zweites, der Genusskultur verschriebenes Lokal betreibt, das Echtzeit, ist dem AHA Gedanken gegenüber aufgeschlossen, will jedoch keine Aktionen im Lokal machen, sondern das Lokalangebot so verändern, dass es zu weniger Exzesstrinken kommt. Er hat als Schiene eine Daueraktion aufgezogen, die Alkoholfreie, sehr gut abgemischte Drinks in hoher Qualität, von 20-24h um 3,50 € anbietet. Laut Hr. Pachner werden sowohl die Drinks als auch die Keys in Toms Bar von den Besuchern gut angenommen.

 

Resümee der bisherigen Zusammenarbeit mit den Mödlinger Lokalen:
Es wurde erreicht, dass die Lokale sensibler mit dem Thema Alkohol und Jugendliche umgehen, und es beginnt langsam ein Umdenken in Richtung gezieltere Aktionen, die Exzessiven Alkoholkonsum vermeiden helfen. Die Lokale befinden sich natürlich in der Zwickmühle der Erwartungshaltung der jugendlichen Konsumenten. Wie ja der Zwischenbericht von Manfred Zentner gezeigt hat, haben viele Jugendliche recht klare Vorstellungen, warum sie die jeweiligen Lokale besuchen, und was dort abgehen soll.
Diese Eindrücke (Zusammenhänge Musik, Lokalart, Alkoholkonsum) konnte ich bei meinen Lokalaugenscheinen bestätigt sehen.
(es läuft übrigens dzt. zu unserem Projekt parallel eine qualitative Studie von FHs St. Pölten, Eisenbach Stangl zu jugendlichen Alkoholszenen in Österreich, die vor dem Sommer präsentiert werden soll, habe davon bei einem Vortrag von Kurt Fellöcker gehört, hier wurden zusätzlich zu Lokalen und Festen auch private Szenen interviewt)
Das Thema Jugendschutz wird mittlerweile auch von Wirtschaftskammer und BH`s in NÖ sehr ernst genommen und die Gastronomen kommen da zunehmend unter Druck. Wie bereits beobachtet gibt es Tendenzen, die 14-16 jährigen zunehmend aus den Lokalen auszuschließen, um keine behördlichen Probleme zu bekommen. Hier müssten außerhalb unseres Projekts sicher noch Angebote entwickelt werden, die diese Altersgruppe anspricht. (Jugendzentren? Lokalschwerpunkte ohne Alkoholausschank? Salute von T.T....)

Zusammenarbeit auf Gemeindeebene war in den letzten Monaten sehr schwierig (Zeitmangel, Krankheit Stephan wenig Unterstützung von Seiten der Gemeinde) ich fühlte mich oft ziemlich überfordert, da ich bemerkt habe, dass in dem Projekt viel mehr möglich wäre, wenn der Kontakt zu den Gastronomen regelmäßiger und öfter stattfinden könnte.
Die Projektstundenzahl für den Job des RPK ist meines Erachtens viel zu gering, es war allerdings auch nicht zu erwarten, dass es bei den betreffenden Lokalen fast unmöglich ist, eine funktionierende Kommunikationsschiene via email und Telefon aufzubauen.